Flüsse suchen sich immer den Weg mit dem geringsten Widerstand. Das wäre eine sehr einfache Erklärung für eine Mäander oder Flussschleife. Tatsächlich steckt dahinter eine Querzirkulation. Der Flussboden wird durch diese nach innen getragen und die Kurvenradius wird immer größer. Am Main gibt es zwei solcher Flussschleifen. Eine liegt bei Urphar und die andere bei Volkach.

Die Mainschleife bei Urphar

Von der Einmündung der Tauber in den Main sind es noch drei Kilometer östlich bis zur Flussschlinge in Urphar. Die Schlinge ist an ihrer engsten Stelle 400 Meter und verläuft Richtung Süden des ansonsten westwärts gerichteten Flusslaufs. Namensgeber für die Flussschlinge war das links vom Main liegende Urphar. Dies ist mittlerweile ein Ortsteil von Wertheim. Das Areal der rechten Seite hingegen gehört zum Ort Kreuzwertheim. Die Flussschleife trennt damit sowohl zwei verschiedene Gemeinden und ist zugleich Landesgrenze von Baden-Württemberg und Bayern. Die Mäander erstreckt sich circa sieben Kilometer um das sogenannte Himmelreich. Das Himmelreich macht seinem Namen alle Ehre, denn es ist ein besonders idyllisches, schönes Wäldchen mit dem gleichnamigen Berg der sich 234m ü. NHN nach oben streckt. Der Maintal-Radweg und auch einige Wanderwege führen an der Flussschleife entlang und bieten einen einmaligen Blick auf den in Kurven verlaufenden Main.

Die Volkacher Mainschleife

Diese Mäander ist die größte in Bayern. Sie liegt in Unterfranken in der Nähe der Stadt Volkach, die für die Mainschleife auch Namensgeber war. Der Begriff Volkacher Mainschleife oder kurz einfach Mainschleife wird heute oft dazu verwendet, um mehrere Gemeinden zusammenzufassen, die in der Gegend von Volkach liegen.
Umgeben ist die Mainschleife im Westen von den sogenannten Gäuflächen bei Kitzingen. Im Osten liegt der Steigerwald. Der alte Main bei Volkach gehört zum Naturschutzgebiet, um diesen Ausschnitt des ursprünglichen Mains zu erhalten.
Entstanden ist die Mainschleife bei Volkach vor circa 2,6 Millionen Jahren. Der Obermain war bis dahin in die Donau geflossen, wurde an das Mainsystem angeschlossen und so entstand die Mainschleife. Besonders bedeutsam ist vor allem die Eintiefung der vorhandenen Täler und die Hänge an der Innen- und Außenseite der Mäander. Diese werden heute vom Weinbau geprägt. Vermutlich um 900 kam die erste Weinrebe in die Mainschleife, aufgrund der Entwicklung der Landwirtschaft damals noch auf flachem Gelände. Die Hänge wurden erst später für den Weinanbau erschlossen. War es vorerst eine Handelsstrecke, entdeckte man im 19. Jahrhundert den Tourismus. Wanderer erschlossen sich die Gegend und 1909 eröffnete die Mainschleifenbahn, die noch heute zwischen Mai und Oktober fährt. Die Wallfahrtskirche und das barocke Schelfenhaus sind sehenswerte kulturelle Ziele in Volkach. Der Main-Radweg erstreckt sich durch die gesamte Volkach Mainschleife und wird in diesem Gebiet auch von Inlinern befahren.