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Er gehört zu den meistfotografierten Ansichten Wertheims und gilt deshalb vielen Stadtbewohner als Wahrzeichen: Der Spitzer Turm. Stolz reckt er sich 36,5 Meter in die Höhe und war doch ursprünglich um einiges kürzer. Die Menschen fürchteten sich vor den Übergriffen fremder Herrscher. Darum ließen sie im 13. Jahrhundert jenen Wach- und Wartturm anlegen. Von seiner Balustrade und den Schießscharten aus konnte die ganze Region überblickt werden. Als im 15. Jahrhundert die Verstädterung zunahm und die Häuser der Altstadt immer mehr in die Höhe wuchsen, wurde das Bauwerk zu klein. Man stockte auf und versuchte damit einen alten baulichen Fehler wettzumachen. Das untere Mauerwerk geriet in Schieflage und begann sich allmählich bedrohlich zur Seite zu neigen – die neuen Stockwerke sorgten für Balance. Im Spitzer Turm zu Wertheim wurde so manch ungebührliches Verhalten gesühnt. Er fungierte als Gefängnis und beherbergte „zänkische Weiber“ und unangenehm aufgefallene „Trunkenbolde“, die hier ihren Rausch auszuschlafen und eine Art „Entzugskur“ zu machen hatten.